Digitale Transformation: Exklusives Experteninterview mit Prof. Dr. Christoph Meinel

Die Digitalisierung hat einen enormen Einfluss auf allerlei Alltags-Prozesse – egal ob bei der Arbeit oder in der Freizeit. So ermöglichen immer ausgereiftere Technologien beispielsweise einen schnelleren und größeren Datentransport sowie die Möglichkeit, diese Daten intelligent auszuwerten. Für Unternehmen sind diese Vorgänge besonders wichtig, da sie die gewonnenen Daten sinnvoll für innovative Produkte und Services nutzen können. Bereits jetzt ist klar: In unmittelbarer Zukunft werden immer mehr Prozesse in den digitalen Raum verlegt, so wie vor Kurzem zum Beispiel die App Uber, die dank „privatem Chauffeur“ den Taximarkt revolutioniert hat, oder heutige Internetkonferenzen, die globale Unternehmen in Sekundenschnelle miteinander verbinden. Zudem beeinflusst das schnelle Tempo des digitalen Wandels das Verhalten von Millionen von Menschen, denn die neuen Technologien bedeuten erhebliche Veränderungen in unserer Arbeitsweise, Kommunikation sowie unserem Kaufverhalten.

Was genau bedeutet die digitale Transformation für Unternehmen?

Der Begriff „Digitale Transformation“ beschreibt den Einsatz digitaler Tools und Technologien durch Unternehmen, um Geschäftsmodell, Leistungsportfolio und Operating Modell zu digitalisieren. Dabei ergeben sich Vorteile wie Umsatzsteigerung durch neue digitale Produkte und Services, eine Verbesserung der Kundenerlebnisse und damit eine Erhöhung der Kundenbindung sowie Kostenreduktion und Effizienzsteigerung im Betrieb. Der digitale Fortschritt ist unaufhaltsam und verändert die Strukturen der Gesellschaft und der Wirtschaft grundlegend. Daher lautet die Devise: Vorbereiten und Handeln, damit die Auswirkungen dieses Trends bewältigt werden können. Die Chancen, welche die Digitale Transformation bietet, sollten sich Unternehmen keinesfalls entgehen lassen. Doch gibt es keine Best-Practice Ansätze, die einfach angewandt werden können, um von den im Artikel genannten Vorteilen schnell zu profitieren. Jedes Unternehmen reagiert unterschiedlich auf die Digitalisierung, besonders bei traditionell geprägten Unternehmensstrukturen sind digitale Geschäftsmodelle meist schwieriger umzusetzen. Daher sind Kreativität, Experimentierfreudigkeit und Risikobereitschaft gefragt, um neue Wege zu gehen. Das macht die digitale Transformation für Unternehmen zu einer großen Herausforderung. Sie bietet jedoch auch reichliche Möglichkeiten zur Differenzierung und legt damit die Basis für neue unternehmerische Erfolge.

Experte steht Rede und Antwort

Prof. Dr. Christoph Meinel

Wir haben Herrn Prof. Dr. Christoph Meinel, Institutsdirektor & CEO Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH, zum Thema Digitale Transformation befragt. Das Interview möchten wir Euch nicht vorenthalten.

1. Die Veranstaltung Digitale Transformation im September 2015 umfasst das Kernthema „Digitale Transformation“. Was versteckt sich hinter dem Begriff „Digitale Transformation“?
Digitale Transformation bezeichnet die „Übersetzung“ bislang „analoger“ Geschäfts-, Kommunikations- und sozialer Interaktionen et al. in das Internet/Web, sowie die Schaffung neuer Geschäfts-, Kommunikations- und sozialer
Interaktionen, die so nur im Digitalen funktionieren können. Beispiele sind z.B. „WhatsApp“, was Echtzeitkommunikation ermöglicht, „Uber“ als Herausforderung für das klassische Taxigewerbe oder „Airbnb“ zum Reisen und Besuchen fremder Länder und Kulturen.

2. Welche Unternehmensbereiche werden besonders von der Digitalen Transformation beeinflusst/verändert?
Nach meiner Auffassung wird die digitale Transformation schrittweise und dann progressiv sämtliche Branchen umwandeln: Im Musikbereich hat es mit dem Labelsterben und (durch) den kostenfreien Download (oder Abo-, werbefinanzierten Modellen wie „Spotify“) begonnen, Kino und Fernsehen befinden sich aktuell in der Krise – denken Sie nur an Netflix, amazon Prime oder Maxdome. Im „klassischen“ Wirtschaftsbereich stellt die Digitalisierung – Schlagwort „Industrie 4.0“, also die Online-Anbindung von Produktionsmaschinen und Werkstücken – hier die Wirtschaft auf den Kopf. Arbeit und soziales Leben werden durch die ständige Verfügbarkeit von Online-Diensten – Maps, Mail, CarSharing bspw. – komplett verändert. Die letztendlichen Konsequenzen dieser sozialen Bewegung und gesellschaftlichen Veränderung sind weder abzuschätzen, noch ist diese Veränderungswelle zu kanalisieren, sondern höchstens zu reiten.

3. Mit welchen Hindernissen muss bei der Umsetzung der Digitalen Transformation gerechnet werden?
Man darf zwei Dinge nicht unterschätzen: Die sozialen Beharrungskräfte der Gesellschaft auf abstraktem Niveau, will sagen die Ablehnung gesellschaftlicher „Revolutionen“, die das Leben neu definieren und verändern – was aber niemanden davon abhält, sämtliche Services zu nutzen und sich ggü. den Konzernen digital zu entblößen und massiv mit Daten – und nicht (mehr) mit Geld – zu bezahlen. Und natürlich die betroffenen Industrien, Gewerke und Dienstleistungssektoren, die alles tun (werden), um die Veränderungen nicht wahrzunehmen, sie herunterzuspielen, zu marginalisieren und mit Schutzverordnungen abzugrenzen. Natürlich gibt es auch technische Herausforderungen, doch lassen diese sich in überschaubarer Zeit lösen – umfassender und komplexer sind die gesellschaftlichen Veränderungen.

4. Welche Tipps geben Sie Unternehmen im Hinblick auf die Herausforderung der Digitalen Transformation?
Ich halte es für sehr sinnvoll, wenn Unternehmen sich diesen (ggf. [noch] zukünftigen) Herausforderungen stellen. Kommen werden sie sicher, die Frage ist nur, Treiber oder Getriebener sein zu wollen, sein Schicksal zu akzeptieren oder es zu gestalten. Die großen Zukunftsmärkte in Asien, Südamerika, Russland („BRIC“) sind eben nicht mehr nur Märkte für den Absatz unseres Überflusses und unsere verlängerte Werkbank. Sie werden, besonders China mit seinem immensen Potential in jeder Hinsicht, Konkurrenten. Unsere Chance ist dann irgendwann nicht mehr billiger oder besser zu produzieren, sondern intelligenter – smarter – mit mehr Know-How, besseren Ideen, nachhaltiger etc. Dort liegt die Chance der heutigen „westlichen Welt“. Wer sich aber vor der Zukunft und den technischen Umwälzungen fürchtet, der wird untergehen.

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche und interessante Interview.

(Foto Prof. Dr. Meinel: HPI / Kay Herschelmann)

Tipp an unsere Leser: Die Veranstaltung “Digitale Transformation 2015” findet am 23.-24.09.2015 im Fleming’s Conference Hotel Frankfurt statt. Bei Interesse jetzt auf www.dt15.de informieren und teilnehmen!

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