Curated Shopping im Test: Shoppinghelfer online?

Curated Shopping im Test

Das Konzept ‚Curated Shopping’ (zu Deutsch: Betreutes Einkaufen) richtet sich in erster Linie an den klischeebehafteten, modefaulen Mann, der keine Zeit oder Lust auf Shopping hat. Statt Einkaufsfrust erhält ‚mann‘ eine zumeist weibliche, digitale Shoppinghelferin zur Seite, die für ihn persönliche Outfits zusammenstellt und bequem nach Hause verschickt. Outfittery, modomoto, 8select, Kisura (letzteres stylt die Frau) – sie zählen zu den bekannten Curated Shopping Anbietern in Deutschland. Alle funktionieren quasi nach demselben Prinzip. Wir haben es einmal getestet: Am Beispiel des Berliner Anbieters Outfittery, der aktuell circa 100.000 männliche Einkaufsmuffel bedient.

Wie läuft das ab?

Wer interessiert ist, muss zunächst durch eine Online-Registrierung. So auch wir. Ein Fragebogen möchte von uns Kleidungsstil, Kleidergröße, Farbvorlieben und gefühltes Alter wissen. Noch am gleichen Tag erhalten wir eine E-Mail von einer Dame, die sich als unsere persönliche Shoppingberaterin vorstellt und uns von nun an fest zugeteilt ist. In einem sehr netten Telefonat klärt sie dann Details zu unserem Geschmack ab. Dabei werden quasi nochmals die Fragen aus dem Fragebogen besprochen. Eine Doppelung, die uns nicht ganz gefällt. Mehr als 70 Modemarken stehen der Stylistin zur Verfügung um das perfekte Outfit für uns zu kreieren. Das Paket erhalten wir eine Woche nach unserem Telefonat. Wir sind gespannt! Hübsch und stilvoll verpackt kommt es daher, mit persönlicher Grußkarte unserer Stilberaterin, die sich leider mit unserem Namen vertan hat. Dennoch eine charmante Geste, die einen persönlichen Touch verleiht. Ab dann stehen uns 10 Tage zur Anprobe zu. Größtenteils wurde unser Geschmack getroffen. Am Ende entscheiden wir uns für einige nette Teile und schicken circa die Hälfte wieder zurück. Die Beratungsleistung, Versand sowie Rückversand sind inklusive. Gezahlt wird nur, was gefällt – zum Ladenpreis, ohne Aufschläge.

Outfittery 2

Die Abwicklung verläuft problemlos, sowohl die Zahlung als auch die Retoursendung. In der After-Sales Phase hakt man nochmal bei uns nach: „Alles in Ordnung? Haben wir deinen Geschmack getroffen?“. In unregelmäßigen Abständen erhalten wir seitdem E-Mails, die uns daran erinnern sollen, dass es wieder Zeit für neue Mode der Saison ist. Optionaler Zusatzservice: Der Kunde kann sich mit seiner Stilexpertin auf Facebook befreunden. Bilder, Posts und Likes helfen der Stylistin, sich einen besseren Eindruck vom Lifestyle ihres Kunden zu verschaffen. Das Fazit unseres Tests: Daumen hoch für Curated Shopping! Wir würden es wieder tun. Besonders gefallen hat uns das persönliche Gespräch mit unserer Beraterin. Der nette und kompetente Umgang macht uns zum Wiederholungstäter. Da ist auch der falsche Name in der Grußkarte schnell vergessen.

Ein rentables Geschäftsmodell?

Wirtschaftlich rentabel ist Curated Shopping dann, wenn Warenkorbgröße und Retourenquote stimmen. Die Servicekosten gilt es schließlich wieder einzuspielen. Während der klassische Online-Modeversand üblicherweise eine Rücksendequote von 70 bis 80% verzeichnet, scheinen Curated Shopping Anbieter maximal 50% stemmen zu können. Das System ist ganz klar auf eine langfristige Kundenbindung ausgerichtet: Je besser sich Kunde und Berater kennen, desto treffsicherer ist die Auswahl des Outfits und desto niedriger die Retourenrate. Das macht sich auch bezahlt, denn die männliche Zielgruppe ist eher bindungsfreudig. Wieso aber der Mann als originäre Zielgruppe? Tatsächlich legt eine Frau ein komplett unterschiedliches Einkaufsverhalten an den Tag, auch wenn sie womöglich in ähnlichen Arbeits- und Lebensverhältnissen steckt. Emotionen, Sympathie und Weiblichkeit sind für die Damen im Fashionbereich kaufentscheidend und schlagen deutlich die rationalen Determinanten der Kaufbereitschaft. Dies stellt eine Herausforderung dar, welcher sich bis dato noch wenige Curated Shopping Anbieter stellen wollen.

Geht da noch mehr?

Ausgehend von der Grundidee des Curated Shoppings hat 8select ein wenig weitergedacht: Mit einem virtuellen Showroom wird versucht, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Dabei werden ausgewählte Outfits vorab online präsentiert. Somit erwartet den Kunden kein Überraschungspaket in der Post. Auch möglich: Ein Kunde kann selbst passende Modeartikel durchstöbern, die ihm auf Basis seiner Angaben angezeigt werden – ganz ohne Styling Beratung. Vorteile von On- und Offline-Shopping vereint – ein nachhaltigeres Modell?

Fazit?

Mann Kleiderständer

Die Idee ist bestechend: Online stressfrei und individuell einkaufen. Mehr Übersichtlichkeit in einer reizüberfluteten Online-Shoppingwelt? Das wünscht sich jeder. Statt ausgeklügelter Filter und Algorithmen auf Normalo-Shoppingwebsites übernimmt dies beim Curated Shopping ein echter Mensch als Stilberater. Jedoch scheint so dem stationären Modehandel das letzte Alleinstellungsmerkmal genommen: Die persönliche Beratung findet heute auch online statt. Und es funktioniert? Zum Teil. Nicht alle Anbieter konnten sich halten. Mit dem Verfliegen der ersten Euphorie verschwanden auch einige Shops wie Modemeister oder ChicChickClub. Die Konzeption der Geschäftsmodelle ist entscheidend, neue Evolutionsstufen gilt es zu erklimmen. Der Trend zum personalisierten Einkaufserlebnis wird jedenfalls bestehen bleiben.


 *Update Dezember 2014*

Zalando mischt mit

Mit Zalando will erstmals ein großer Online-Modeversandhändler im Curated Shopping Business mitmischen. Für 2015 plant Zalando den Launch eines eigenen Styling Services, der sich im Konzept kaum von Outfittery, Kisura & Co. unterscheidet: Fragebögen, persönliche Stylisten, Versand komplett abgestimmter Outfits – einziger Unterschied: Zalando will Frau und Mann gleichermaßen einkleiden. Somit kopiert die starke Marke Zalando die Kernidee des Curated Shoppings und kommt mit einem riesigen Kundenstamm (14 Mio. in Q3/2014) daher. Ist der USP der spezialisierten Start-Ups in Gefahr? Diese sehen die vermeintliche Bedrohung durch den Versandriesen allerdings gelassen und empfinden Zalando’s Markteintritt eher als Bestätigung der von ihnen prognostizierten Zukunft des Modehandels: Personalisierung schlägt Massenware.


Quellen:

Die auf http://onlinemarketing-trends.de verwendeten Bilder stammen aus der folgenden Quelle: THINKSTOCK ® by Getty Images

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