Mobile Payment – und ab morgen zahlt mein Smartphone!

Mobile Payment

Folgende Situation: Sie stehen an in der Schlange einer bekannten Drogeriemarktkette. In Ihrem Einkaufskorb (real – nicht virtuell, versteht sich!) befinden sich Rasierklingen, Duschgel und ein Conditioner. Eigentlich haben Sie es eilig und möchten heute gerne mit Karte zahlen. Die ältere Dame vor Ihnen kramt nach Münzen in ihrem Portemonnaie, dabei fallen einige „Kupferlinge“ klimpernd zu Boden. Während Sie der Dame beim Aufsammeln helfen (Sie sind ein netter Mensch, versteht sich!), sehen Sie wie eine Frau jüngerer Genration ihr Smartphone beim Bezahlen zückt. Ein kurzes Piepen, das Kassensystem schließt sich mit ihrem Smartphone kurz, die Bezahlung scheint erfolgt zu sein.

Doch was passierte hier eigentlich? Nun, erst einmal könnte man sagen, dass hier gleich mehrere Generationen aufeinander treffen, in Bezug auf Konsumenten sowie auf Bezahlvorgänge und Technik. Aber auch Kassierer haben sich technologisch weiterentwickelt. Hätten wir ihnen noch vor einigen Jahren beim Bezahlen unser Smartphone hingehalten – die Blicke wären sicher interessant gewesen…

Was ist das und wie läuft das ab?

Bisher gibt es wenig einheitliche Definitionen in der Wissenschaft. Nach Contiu und Martignoni bedeutet Mobile Payment: „Die Übertragung eines finanziellen Anspruchs einer Person durch ein mobiles Endgerät, wobei das mobile Endgerät die Übertragung initiiert und / oder bestätigt.“1 Mal eben im Wirtschaftslexikon nachgeschlagen, wird der Begriff kurz und knapp als „Durchführung von Zahlungen über Mobiltelefone (…)“2 definiert. Beiden Definitionen gleich ist, dass es sich um eine Transaktion handelt, die zwischen der neuen Generation von Handys und dem Kassensystem des Händlers stattfindet. Nannte uns noch vor einigen Jahren Frau Schmitz die Summe des Einkaufs und wir zahlten mit Münzen aus unserer Lederbörse, so treffen heute vermehrt hochmoderne Kassensystem auf effektive PC´s in ihrer kleinsten Form: Smartphones der 4. Generation.

Beispielsweise durch NFC- Verfahren (Near Field Communication) erfolgt eine Identifikation des Handy-Nutzers durch das Zusammenspiel von NFC-Chip im Handy und einem passenden Kassenterminal, sobald die Distanz einige Zentimeter beträgt. Nach Interaktion und anschließender Bestätigung durch den Verbraucher erfolgt schließlich die Abbuchung vom Konto, auch eine Abrechnung über den Mobilfunkanbieter oder via Prepaid- Guthaben werden mittlerweile gängiger. Neuerdings kommen zudem Bluetooth- Verfahren zum Einsatz. Dabei stehen beim Mobile Payment nicht nur Kunden und Kassierer in Kontakt. Vielmehr handelt es sich bei Mobile Payment um ein Konstrukt aus verschiedenen Akteuren. Dazu zählen: Händler, Mobilfunkunternehmen, Gerätehersteller, Technologielieferanten und natürlich auch Finanzdienstleister – und natürlich auch wir Verbraucher.

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Die Vorteile

Die Möglichkeit, mit dem Smartphone an der Kasse zu zahlen, setzt sich in langsamen Schritten durch. Händler, die Mobile Payment schon heute etablieren, machen damit einen Schritt in die Zukunft und bieten dem Kunden eine weitere komfortable Möglichkeit der Zahlung.
Zudem hat sich in einer Studie der EBS Business School herausgestellt, dass Konsumenten beim Kauf via Mobile Payment eine höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen, den Einkauf selbst effizienter und das Geschäft dabei als preisgünstiger empfinden. Davon abgesehen wird das Zahlen via Smartphone als modern betrachtet und wirkt sich laut der Studie positiv auf das Image des Händlers aus.

Großes Zukunftsthema oder nur heiße Luft?

So. Da stehen auch wir nun (technisch versiert, versteht sich!), mit unserem Handy an der Drogeriemarktkasse. Am Fahrkartenautomaten. In der Warteschlange des Supermarkts. Und neuerdings sogar am Parkscheinautomaten. Und wie geht es jetzt weiter? Können wir bald jede Packung Milch, jeden Apfel oder jedes Brot beim Bäcker mit unserem Smartphone zahlen? Sind Kupferlinge und Co. veraltet und nagt an unseren EC- Karten bereits der Zahn der Zeit?
Handel ist Wandel. Glaubt man führenden E- Commerce Experten, handelt es sich aktuell sogar um den größten technologischen Wandel nach der Zeit der Industrialisierung.
Seit der Einführung des ersten Smartphones (2007, i-Phone) hat sich im Handel einiges getan. Dank Apps, Barcodes und weiterer Dienste gilt vielen Konsumenten das Smartphone als Schweizer Taschenmesser im technischen Sinne. Mobiles Internet beflügelt diesen Trend zusätzlich. Waren des täglichen Bedarfs werden im Supermarkt, aber genauso im Onlineshop und über mobile Kanäle gekauft. QR- Codes werden im Laden eingescannt und Informationen darüber angerufen. Immer mehr Händler stellen sich auf diese technischen Neuerungen ein, schulen ihr Verkaufspersonal entsprechend und statten dieses ebenfalls mit technischen Geräten, wie beispielsweise Store- Tablets aus. Die zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte im Handel sucht nach mobilen Bezahlmöglichkeiten und hat sie im Mobile Payment gefunden.

Wie geht’s jetzt weiter?

Last but not least, ist die Sicherheit beim Bezahlvorgang via Mobile Payment vielen Konsumenten ein Grund zum Misstrauen. Das Vertrauen in die Datenverschlüsselung und die damit verbundene Sicherheit ist insbesondere bei uns Mitteleuropäern noch nicht stark ausgeprägt, während sich auf anderen Kontinenten wie Asien, Afrika und Nordamerika mobile Payment-Systeme bereits durchsetzen. Insgesamt lässt sich sagen, dass es sich beim Mobile Payment durchaus um die Geldbörse von Morgen handeln könnte. Google hat mit seinem Google Wallet bereits eine erste Grundlage zum großflächigen Einsatz mittels neuester Generation von Smartphones geschaffen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich solche Payment- Systeme künftig etablieren. Auf die Frage, ob wir bald alle mit Smartphone an der Drogeriemarktkasse stehen, kann es keine eindeutige Antwort geben. Zudem gibt es zwischen Generationen deutliche Unterschiede bei der Nutzung von mobilem Internet und Smartphones, so werden ältere Zielgruppen auch weiterhin überwiegend konventionell zahlen. Und vor dem Hintergrund, dass wir Deutschen ein eher skeptisches Völkchen sind, könnte es bis zur vollständigen Marktakzeptanz hierzulande zusätzlich dauern.

Interessieren Sie sich für Mobile Payment? Folgend eine Auflistung weiterer Quellen, welche sich mit dem diesem Thema befassen:

  • Pousttchi, K. (2005) Mobile Payment in Deutschland; Springer Gabler Verlag
  • Heinemann, G. (2012); No-Line Handel; Springer Gabler Verlag
  • EBS Business School, Darstellung der weltweiten Mobile-Payment-Ansätze mit Smartphones und deren Adaptionspotenziale für Deutschland, Oestrich-Winkel-zum PDF
  • Base Blog – zum Blog
  • Etailment Magazin, Trends und Analysen im E- Commerce – zur Seite des Magazins

*Update September 2014*

iPhone 6 kommt Mobile-Payment-System

Spekuliert wurde bereits vor der Präsentation des neuen iPhones. Letztlich sollte sich das Gerücht auch bewahrheiten: Apple macht das iPhone 6 zum Portemonnaie und bringt nun ein eigenes mobiles Bezahlverfahren auf den Markt. Damit folgt der Konzern Google und PayPal, die bereits ähnliche Systeme ins Rennen gebracht haben.

Apple’s neues Feature hört auf den wenig überraschenden Namen ‚Apple Pay‘ und soll als neues NFC-Zahlverfahren sowohl am Kartenterminal am Point of Sale als auch für In-App Käufe und Online-Käufe verwendbar sein. Während letzteres lediglich nur eine weitere Alternative zur Kreditkarte oder PayPal darstellt, ist Apple Pay für den stationären Handel deutlich spannender. Funktionieren wird es folgendermaßen: Der iPhone Besitzer nutzt entweder die bestehende Kreditkarte, die mit seinem iTunes Account verbunden ist oder fügt eine neue Karte (unterstützt werden MasterCard, Visa und American Express) hinzu, die innerhalb der Passbook-App als Standardzahlungsmittel festgelegt werden kann. Durch Bewegen des iPhones 6 in der Nähe des Kartenterminals wird das NFC-Terminal registriert und verlangt einen Fingerabdruck vom User zur Verifizierung der Transaktion. Alternativ soll wohl auch eine Passworteingabe möglich sein.  Mit der Datensicherheit hält’s Apple nach eigenen Aussagen sehr genau: Ein Chip im iPhone 6 namens Secure Element soll garantieren, dass sensible Informationen nicht im Datensystem gespeichert werden.

Kann das iPhone (und auch die Apple Watch, auf der Apple Pay ebenfalls funktioniert!) also auf kurz oder lang unsere Geldbörse ersetzen? Apple hat dafür durch verschiedene Partnerschaften wie mit Disney oder McDonalds schon einmal ein Fundament geschaffen und vermeldet für den Start im Oktober bereits über 220.000 kompatible Kartenterminals in den USA. Erwartungsgemäß wird der mobile Bezahlprozess ‚made by Apple‘ den Anwendern leicht fallen, außerdem weiß Apple wie Vermarktung funktioniert – mit circa 800 Millionen aktiven iTunes Accounts ist schon mal eine vielversprechende Basis gelegt. Mal zum Vergleich: PayPal kommt auf rund 128 Millionen Nutzer.

Bleibt aber, wie schon so oft, die Frage, ob und wie schnell wir in Deutschland in den Genuss kommen werden – denn strenge Gesetze und Auflagen haben schon einige Payment-Anbieter erfolgreich ferngehalten. Offen bleibt auch, ob der stationäre Handel mitziehen wird, denn an ihm liegt es nun die technischen Voraussetzungen zu schaffen und das Equipment an der Kasse zu platzieren – was mit entsprechendem Integrationsaufwand handelsseitig und Überzeugungsarbeit apple-seitig verbunden sein wird. Vorerst bleibt Apple Pay in Deutschland nur Zukunftsmusik.


1 Contiu/Martignoni 2003, S.59
2 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mobile-zahlungen.html

Die auf http://onlinemarketing-trends.de verwendeten Bilder stammen aus der folgenden Quelle:
THINKSTOCK ® by Getty Images

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1 Kommentar zu Mobile Payment – und ab morgen zahlt mein Smartphone!

Das Interesse daran ist sicherlich groß, aber die Angst um die eigenen Daten ist leider auch da, so dass sich viele immer noch von der Nutzung von Mobile Payment distanzieren. Erst wenn eine Sicherheit der Daten gewährleistet ist, werden mehr Nutzer darauf zurückgreifen.

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